Bildungsreisende sollte man nicht aufhalten

HERZLICH WILLKOMMEN!

IN MULTIMEDIAS RES –

meiner persönlichen Lernumgebung im Masterstudiengang Multimedia Didaktik.

 

Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazu zu lernen.

George Bernard Shaw

Dieser Blog diente mir in den Jahren 2014 bis 2016 zu Reflexion und Erkenntnisgewinn für den berufsbegleitenden Master Multimedia Didaktik an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg. Inzwischen habe ich mein Studium erfolgreich abgeschlossen und bereite mich auf neue Bildungsabenteuer vor. 

Herzliche Grüße

Anke Steinhäuser

 

 

Der Medienbegriff – Definitionsversuche

I) Was bedeutet der Begriff „Medien“ überhaupt?

Es ist gar nicht so einfach, einen Begriff zu definieren, den zwar jeder kennt, aber über dessen Bedeutung heute kaum noch jemand nachdenkt. Ja, über dessen Definition sich nicht einmal Experten einig sind. Gehen wir es ethymologisch an und schauen, was das Wort im  Lateinischen bedeutet:

Medium = Mitte oder Mittler. Aha, es wird also etwas vermittelt. Na, dann schauen wir doch mal, wie Experten das sehen, beginnen wir mit einer Annäherung an Pross und seinen drei Kategorien:

1. Primäre Medien: Alle sprachlichen und nonverbalen Ausdrucks-formen, deren Produktion, Transport oder Aufnahme ausschließlich durch menschliche Sinne erfolgt.

2. Sekundäre Medien:
Sekundäre Medien dagegen brauchen zumindest auf der Seite des Senders ein technisches Hilfsmittel, jedoch nicht auf der Seite des Empfängers. Gemeint sind damit beispielsweise verschriftlichte Texte oder Bilder. Für Empfang und Entschlüsselung der Botschaft reicht die Beherrschung von Kulturtechniken aus.

3. Tertiäre Medien: Damit bezeichnet er beispielsweise Film, Fernsehen, Computer, Radio und Tonträger. Er sieht das Besondere hierbei, dass Sender und  Empfänger auf technische Hilfmittel angewiesen sind.

Über die digitalen Medien wird es an dieser Stelle vorerst keine begriffliche Auseinandersetzung geben.

II) Hier geht’s zur terminologischen Basis eines medienwissen-schaftlichen Diskurs‘:

Faulstich verbindet mit dem Medienbegriff unter anderem die Vorstellung eines institutionalisierten Systems, eines organisierten Informationskanals und einer gesellschaftlichen Dominanz. Leschke vertritt dagegen die These, dass die Medienwissenschaft auch ohne einen klar definierten Medienbegriff auskomme.

Am Anfang waren ein Sender und ein Empfänger und  Shannon. Er wird der Vater des Mediums als neutralen Mittler genannt. Sein bekannter Kommunikationskanal ist das Sender-Empfänger-Modell. Shannon hat als amerikanischer Ingenieur und Mathe-matiker eine klare Vorstellung davon und sieht hier einzig und allein technische Probleme der  Signalübertragung.

Allerdings mangelt es Shannon ein wenig an einer semantisch-pragmatischen Sichtweise. Somit sieht er auch nur einen Kanal, in dem Signale von einem zum anderen übrtragen werden. Er glaubt, dass die Nachricht vom Medium selbst unberührt bleibt, sozusagen neutral. Die Aufgabe des Mediums bestünde lediglich darin, die Nachricht störungsfrei an den Empfänger zu übermitteln.

Tatsächlich bestimmte Shannons Medienbegriff jahrelang die Sichtweise der informationstheoretischen und kommunikationswissen-schaftlichen Forschung. Man glaubte folglich,

das Medium sei ein neutraler Bote.

Irgendwie liegt es auf der Hand, dass dieses Erklärungsmodell für menschliche Kommunikationsprozesse einfach nicht genügt. Womit  wir McLuhan jetzt aufs Spielfeld holen.

Der Kanadier, McLuhan stellte einfach alles auf den Kopf. (Dabei fällt mir Hegel ein, der seinen philosophischen Zeitgenossen ähnlich Magenschmerzen bereitete.) McLuhan wurde es übelgenommen, dass er seine Gedanken und Überlegungen nicht in konsistente wissenschaftliche Theorien verpackte, sondern es wagte, diese als essayistische Ideensammlung zu präsentieren. Pfui. Er musste daraufhin von der Fachwelt attackiert werden. Dabei präsentierte er lediglich einen weitgefassteren und damit sinneserweiternden Medienbegriff, quasi ein ergänzendes Medium menschlicher Existenz.

Ich verstehe McLuhan so: Alles ist Medium. Wir sind Medium. Sein berühmtes Diktum Das Medium ist die Botschaft findet sich darin wieder. Soll heißen, dass der Inhalt gegenüber dem verwendeten Medium blind macht. Und dies wiederum führt dazu, dass wir die FORM des Mediums übersehen. Aber ist es nicht so, dass gerade wir, die wir aus der gebildeten bürgerlichen Mitte kommen, soviel Wert auf die Form legen? Wie wäre es wohl, wenn unser Arzt seine Diagnosen nur noch über WhatsApp mitteilen würde? Beispiels-weise, die Botschaft, dass wir nur noch eine Woche zu leben hätten? Gruselig oder? Dabei finde ich es schon sehr spannend, wenn wir wieder zu dem Gedanken zurückgeführt werden, mehr auf die Form zu achten.

Schon einmal darüber nachgedacht, wie die Wahl der Form auf das Gegenüber wirkt? Da liegt es nahe, sich wieder Gedanken über die Angemessenheit seiner persönlichen Medienauswahl zu machen oder? Schaden kann das sicherlich nicht. Ich kann mir auch nicht wirklich vorstellen, dass ich mit meinem Professor per SMS wissenschaftliche Abhandlungen diskutiere…

Da drängt sich doch unweigerlich die Frage auf, was verbindest du ganz persönlich mit den Medien, die du (be-) nutzt? Mir geht es gerade so, dass das Schreiben meines Blogs, meine Sprache beeinflusst. Und zwar soweit, dass ich aufpassen muss, zumindest noch inhaltlich meinen wissenschaftlichen Anspruch zu erfüllen *lol*.

Aber kommen wir wieder zu Pross zurück, dem deutschen Publizisten, der sich Gedanken über Medien im Sinne von Botschaften macht. Seine Kategorien haben wir ja bereits kennen- gelernt. Was wir noch nicht wissen ist, dass er davon ausgeht, dass Kommunikation auch immer ein wenig vom Zufall begleitet wird. Ja, er behauptet tatsächlich, dass wir es gar nicht im Griff haben, wie unsere Mitteilung beim anderen ankommt. Er behauptet sogar, dass

alles von unkalkulierbaren Zufällen und Vereinbarungen abhinge, was zum Mittel der Mittteilung, zum Kommunikationsmittel wird.

Er sieht in den implizierten Medien deshalb ganz neue Wirklichkeiten.

Wow.

Da kommen mir Krapp und Weidemann geradezu banal vor, mit ihren  fünf relavanten Aspekte zum Medienbegriff:

  1.  Hardware (-> Materialität)
  2.  Software (-> „Programm“)
  3.  Symbolsystem (-> Sprache…)
  4.  Sinnesmodalität (-> Hören, Sehen , Fühlen…)
  5.  Botschaft (-> eigentlicher Inhalt)

Philosophisch wird es dann mit Sandbothe, dem deutschen Medienphilosophen, der seine  Medientypologie auf drei Säulen stellt:

  • Medien im Weitesten Sinne (-> Raum und Zeit als Grundidee der kopernikanischen Wende; Aufhebung kantischer Starre)
  • Medien im engen Sinn (-> Bild, Sprache und Schrift als verbindliche Grundstruktur menschlichen Wirklichkeitsverständnisses in Abhängigkeit technischer Verbreitungsmedien)
  • Medien im engsten Sinn (-> Fernsehen, Zeitung, Radio, Internet…)

Für ihn ist nicht die Materie entscheidend, sondern die selbst-konstruierte Bedeutung der übermittelten Botschaft. Interessant ist aber auch Sandbothes Betrachtung zu Internetnutzern:

[…] Raum und Zeit als kreativ gestaltbare Konstrukte ihrer narrativen und kooperativen Imagination, wenn sie in Computerwelten neue Identitäten ausleben und das Netz als virtuelles Theater nutzen.

Zum Ende unserer Untersuchung des Medienbegriffs möchte ich Schmidt nicht unerwähnt lassen, der viele Perspektiven dieses Begrifff unter einen Hut bringt. Schmidts Grundidee basiert auf  konstruktivistischen und systemtheoretischen Annahmen, wobei er diese in drei Komponenten einteilt, die wiederum zur Regelung der vierten Komponente führen:

  1.  Semiotische Kommunikationssysteme
  2.  Medientechnologien
  3.  Sozialsystemische Institutionalisierung
  4.  Medienangebote

Anwendung finden diese in der Regelung bestimmter gesell-schaftlicher Konventionen und dem Zusammenwirken unter konkreten sozio-historischen Bedingungen. Schmidt ist sich sicher, dass

Kommunikationsinstrumente wie Sprachen und Bilder sowie alle Medien seit der Schrift unsere Wahrnehmungsformen kreativ erweitert haben.

 
Quellen:
Beltz (2007): Beltz Lexikon Pädagogik. Weinheim; Beltz Verlag.
Frederking/Krommer/Maiwald (2012): Mediendidaktik Deutsch. Berlin: Schmidt Verlag.
Krapp/Weidemann (2006): Pädagogische Psychologie. Weinheim: Beltz Verlag.
Pross (1972): Medienforschung. Film, Funk, Presse, Fernsehen. Darmstadt: Verlag Habel.